Meine Panik vor einer Heirat

Wie ich zuerst erkannte, dass es nicht „mein Thema“ war und es dann lösen konnte

Ich hatte Panik vor der Frage „Willst Du mich heiraten?“

Kurios, oder? Für andere bedeutet eine Heirat das größte Glück der Erde – ein Zeichen der Wertschätzung, der gegenseitigen Liebe und des Willens, bis zum Lebensende zusammen zu bleiben. Auch wenn das heutzutage oft eher eine Absichtserklärung ist, aber für den Moment ist es zumindest aus romantischer Sicht wirklich so gemeint.
Bei mir schrillten bei dem Gedanken an Heirat dagegen schon immer alle Alarmglocken. Als ob damit irgendeine Gefahr verbunden wäre. Bloß nicht heiraten! Irgend etwas in mir sträubte sich mit einer Hartnäckigkeit und einer Ablehnung, die ich mir nicht erklären konnte. Ich scheute das Thema „Heirat“ wie der Teufel das Weihwasser.
Womit das letztlich zu tun hatte und wie ich das Thema lösen konnte, erfährst Du in diesem Artikel.

Heirat? Schon in der Grundschule ein oberpeinliches Thema für mich

Ich „musste“ zwei Jungs einmal dafür „bestrafen“, dass sie sich „erdreistet“ hatten, mir einen Liebesbrief zu schreiben! Sie hatten im Religionsunterricht in der vierten Klasse jeder für sich einen dieser Kinder-Liebesbriefe geschrieben: „Liebe Andrea, willst Du mit mir gehen?“ Darunter zwei Kästchen zum Ankreuzen: Ja oder Nein. Der Religionslehrer ertappte die beiden, nahm ihnen die Zettel ab und las sie laut vor. War das peinlich! Vor Scham wäre ich am liebsten im Erdboden versunken. Wenn sich irgendwo ein Kaninchen- oder Wurmloch aufgetan hätte, ich wäre sofort hindurchgeschlüpft.
In der Pause nach der Stunde dann „musste“ ich mich rächen. Ich jagte die beiden über den Schulhof, biss, kratzte und verprügelte sie ordentlich. Es war wie ein innerer Zwang, gegen den ich mich nicht wehren konnte. Wie hatten sie sich erlauben können, mich so etwas überhaupt zu fragen!?! Dabei fand ich die beiden insgeheim wirklich süß und war sogar heimlich in sie verknallt. Sehr merkwürdig, oder?

Feste Beziehungen als Erwachsene, aber nie ein Gedanke an Heirat. Das unbewusste Muster bleibt jahrelang „inkognito“

Als junge Erwachsene dann hatte ich lange, feste Beziehungen (die längste davon gut 10 Jahre). Heirat war dennoch in keiner meiner Beziehungen auch nur ansatzweise ein Thema. Mein Unbehagen war nach wie vor da. Nachdem eine Heirat heutzutage netterweise nicht mehr notwendig ist, schlummerte das „gefährliche“ Thema jahrelang unerlöst vor sich hin. Wie ein Lichtschalter, den einfach keiner drückt. Solange keiner das Thema ansprach, war alles gut für mich. Nur ab und an verspürte ich dieses leise Unbehagen, wenn etwa im Freundeskreis wieder eine Hochzeit anstand. Die Panik war verflogen, aber ein gewisses Unverständnis wallte dennoch jedes Mal in mir hoch. „Wie kann man nur…?“

Ich durchschaue mein System und erkenne die Heiratspanik als unerlöstes Muster in meinem System

Irgendwann fiel mir auf, dass diese starken, ablehnenden Gefühle ja eigentlich reichlich seltsam sind. Sie waren zu extrem. Zu krass. Zu heftig. Ich fing an zu beobachten, wie andere auf das Thema „Heirat“ reagierten. Und stellt erstaunt fest: Niemand in meiner Umgebung wurde von diesem Thema so getriggert wie ich! Entweder mochten sie Hochzeiten oder eben nicht. Ganz neutral und Punkt. Warum nur hatte dieses Thema ausgerechnet bei mir eine solche emotionale Ladung?
So sehr ich auch forschte und nachfragte, es gab nichts in meiner Biographie, nichts in meinem Familienumfeld, das die Ursache für diesen starken Widerwillen hätte sein können.

Unterwegs auf Ursachenforschung im eigenen Inneren

Mit Mitte 30 dann kam es mir in den Sinn, dass ich mir diese eigenartige Überreaktion auf das Thema Heirat ja mal anschauen könnte. Ich empfand mein eigenes Verhalten mittlerweile mehr als merkwürdig. Und obwohl mir rein logisch absolut bewusst war, dass meine starken Gefühle eigentlich überzogen waren, konnte ich dennoch nicht leugnen, dass ich sie einfach hatte.
In der Zwischenzeit hatte ich verschiedene Techniken und Herangehensweisen ausprobiert, um zu wissen, wie sich destruktive Muster in veränderten Bewusstseinszuständen einfach, kraftvoll, tiefgreifend und nachhaltig lösen lassen. Meine Reise hatte mich von Theta-Floating über die Meditationen von Frank Kinslow, Quantenheilung, die Awakened Mind®-Meditationen von Anna Wise und weiter zur Hypnose geführt. Erfahrung und das Wissen, wie ich vorgehen musste, hatte ich also zur Genüge.

Das Bild eines Brautpaars vor dem Traualtar taucht auf. Die Szene endet in einem Desaster

Ich setzte mich in einer ruhigen Minute hin, versetze mein Gehirn in einen Flow-Zustand und fragte mein System nach der Ursache. Wie aus dem Nichts schoss prompt ein Bild an die Oberfläche.
Ich sah Braut und Bräutigam vor dem Traualtar. Die Kirche voll besetzt mit allen Freunden und Verwandten. Ich wusste tief in mir, dass ich nicht diese Frau war, die da vor dem Altar stand. Aber ich wusste gleichzeitig, dass sie irgendwie mit mir zu tun hatte. Die Szene ging weiter: noch eben in schönstem Honeymoon-Feeling ertönte wie aus heiterem Himmel der ohrenbetäubende Lärm eines Fliegeralarms. Genau in dem Moment, als die beiden Verlobten sich das Ja-Wort geben wollten. Bomben wurden abgeworfen, große Teile der Kirche wurden zerstört, Menschen starben oder verletzten sich schwer. Aus dem eben noch so idyllischen Event war in Sekunden und ohne jede Vorwarnung ein Ort des Grauens geworden. Die Frau vor dem Altar überlebte, schwer geschockt, während ihr geliebter Bräutigam und vermutlich auch zahlreiche Freunde und Familienangehörige starben.

Die Erkenntnis: meine Panik war das Ergebnis einer Fehlverknüpfung aus Hochzeit, Schock, Tod und Zerstörung

Und da erkannte ich es: Diese Frau hatte sich die Schuld dafür gegeben, dass ihr Liebster, viele Freunde und Angehörige aufgrund ihrer Hochzeit getötet oder mindestens schwer verletzt wurden. Sie dachte, sie wäre verantwortlich für all das Leid und den Schmerz! Ich konnte ihre Verzweiflung, ihre Schuld, ihre Trauer in allen Zellen fühlen. Und während ich ihren Schmerz als den meinen fühlte, erkannte ich gleichzeitig, dass sie sich irrte. Sie hatte zwei Ereignisse, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten, zu einem „verklebt“ – eine klassische Fehlverknüpfung. Sie war nicht Schuld an all dem Elend. Es war reiner Zufall.
In diesem Moment verstand ich zutiefst, warum allein der Gedanke an eine Heirat mich mit solcher Wucht traf. An das eigentlich wunderschöne Hochzeitevent waren Tod, Zerstörung, Verwüstung, Leid und unsagbarer Schmerz gekoppelt. Aus irgendeinem Grund schwang diese Fehlverknüpfung auch in meinem System und machte sich alle naselang bemerkbar, um letztlich erlöst zu werden.

Das Muster löst sich auf

Vor meinem inneren Auge sah ich die beiden Ereignisse wie auf zwei Folien: auf der einen Folie war die Hochzeit, auf der anderen der Fliegeralarm. Beide waren miteinander verschmolzen. Als hätte man sie aufeinander gelegt und über einem Feuer zusammen verschmolzen.
Die Auflösung war einfach: ich löste beide Folien zunächst ganz vorsichtig voneinander und legte sie nebeneinander. Die „Hochzeitsfolie“ war klar und durchscheinend. Die „Fliegeralarmfolie“ aber war komplett schwarz. Ich säuberte sie vorsichtig. Schon nach kurzer Zeit war ich damit fertig. Auch die „Fliegeralarmfolie“ war wieder klar und durchscheinend. Es ging ganz leicht. Mehr war nicht zu tun. Das war’s. In diesem Moment fühlte ich, wie Energie meinen ganzen Körper durchströmte. Es war die Energie, die in diesem Ereignis gespeichert war, und jetzt kraftvoll durch mein System strömte.
Ich öffnete meine Augen und betrachtete meinen Ringfinger. Was wäre wohl, wenn mich jetzt jemand fragen würde, ob ich ihn heirate? Ein Schmunzeln huschte über meine Lippen… ich würde es aus logisch-rationalen Gründen vermutlich immer noch nicht tun, aber mein Herz würde sich freuen. Es wäre eine schöne Frage.

Zwei Jahre später der ungeplante Reality-Check: Ist die Panik vor einer Heirat noch da oder ist sie wirklich aufgelöst?

Das Leben ist ja öfters mal zu Scherzen aufgelegt. Anscheinend wollte es mir ein paar Jahre später zeigen, dass das Thema wirklich aufgelöst ist. Der Witz des Lebens ging so:
In Rahmen meiner Coaching-Ausbildung suchte einer meiner Kollegen Mitspieler für seine systemische Aufstellung. Er wollte ein Thema beleuchten, für das er Repräsentanten für seine Firma, seinen besten Freund und seine Frau brauchte. Errätst Du, was passiert ist? Richtig. Unter 30 möglichen Personen sucht er sich ausgerechnet mich für die Rolle seiner Frau aus. Als wäre das nicht schon witzig genug… nein, er hat mich nicht einfach so gefragt! Er sank vor mir auf ein Knie, blickte mir treuherzig in die Augen und fragte mich mit seinem vermutlich romantischsten Augenaufschlag: „Andrea, möchtest Du meine Frau sein?“ Ich fand die ganze Szene so unendlich amüsant und komisch, dass ich in schallendes Gelächter ausbrach und ihm aus tiefstem Herzen antworten konnte: „Ja, ich will!“ Von dem ursprünglich mit dieser Frage verknüpften Gefühl war nichts, aber auch rein gar nichts mehr übrig.

Warum sich dieses Muster in meinem System anhaften konnte, ist völlig unklar. Letztlich aber auch egal

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, ob ich weiß, wer diese Frau vor dem Traualtar, deren Schmerz ich in mir hatte, eigentlich war. Nein, ich weiß es nicht.
Der Fliegeralarm fühlte sich an wie eine Szene aus dem zweiten Weltkrieg. Aber es ist definitiv niemanden passiert, den ich kenne oder von dem ich weiß, dass es ihm widerfahren ist. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass die Ahnen meines Vaters ein blinder Fleck sind: Mein Vater wurde Ende des zweiten Weltkrieges geboren und es weiß keiner, wer der Vater (also mein Opa) ist. Es ist auch unklar, wie mein Opa und meine Oma miteinander verbunden waren. War es mitten im Krieg eine glückliche Liebelei, eine unglückliche Affäre, eine Vergewaltigung? Es wird wohl unklar bleiben. Gut möglich, dass die Frau vor dem Traualtar also eine Verwandte meines unbekannten Opas ist, und das transgenerationale Thema von dieser Ahnenlinie stammt.
Möglicherweise war es auch einfach nur eine kollektive Erinnerung, mit denen mein Feld (warum auch immer) in Resonanz ging. Ich weiß auch nicht, ob das, was ich in meinem inneren Bild gesehen habe, überhaupt so geschehen ist oder nicht. Möglicherweise hat mein Unterbewusstsein auch einfach nur ein passendes Szenario kreiert, um mir die Auflösung des Musters so leicht wie möglich zu machen. Eine Spielwiese in einer bestimmten Epoche mit ihren ganz spezifischen Regeln, Ereignissen und Themen. Ein Theaterstück samt entsprechender Kostüme und Schauspieler. Letztlich ist es egal. Denn was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass die heftige negative emotionale Ladung, die ich auf dem Heiratsthema hatte, seit dieser einen Session komplett verschwunden und nie wieder aufgetaucht ist. Und das ist alles, was für mich wichtig ist.